11 Menschen sterben bei Angriff im mexikanischen Bundesstaat Michoacán

Nicht nur im Bundesstaat Guerrero, sondern auch im benachbarten Michoacán kommt es wieder zu tödlichen angriffen auf unliebsame Bewegungen. Wie bei dem Massaker von Iguala, unternehmen auch im Landkreis La Ruana weder Armee noch Bundespolizei Schritte, um dem Morden ein Ende zu bereiten.

Bei einem Angriff im Landkreis La Ruana des mexikanischen Bundesstaates Michoacán kamen vergangenen Dienstag laut Medienberichten elf Personen ums Leben. Während der Auseinandersetzung gelang es einer Gruppe schwer bewaffneter Angreifer, unter der Führung von Luís Antonio Torres alias „Simón El Americano“ das Anwesen Felipe Carrillo Puerto mit rund 70 Fahrzeugen einzukreisen und unter Beschuss zu nehmen. Opfer dieser Attacke war eine zahlenmäßig unterlegene Gruppe der „Fuerza Rural“ unter der Führung von Hipólito Mora. Dabei starb unter anderem dessen Sohn Manuel Mora.

Der Sicherheitsbeauftrage des Bundesstaates Alfredo Castillo (PRI) sieht die Gründe der Auseinandersetzung in historisch bedingten Streitigkeiten zweier rivalisierender Milizen.

Jorge Vazquez Valencia, Sprecher der „Legitimen Autofedensas“ von Michoacán hingegen widerspricht dieser Darstellung. Stattdessen hätten er und auch Hipólito Mora in den letzten Tagen und Wochen mehrfach auf die prekäre Sicherheitslage des Bundesstaates hingewiesen. Doch anstatt entschieden gegen das organisierte Verbrechen vorzugehen, hätte Castillo in den letzten Monaten mit der Gruppe der sogenannten „Viagras“, sein eigenes Kartell errichtet. So seien gerade in der im vergangen Mai gegründeten Polizeieinheit „Fuerza Rural“, überwiegend Kriminelle und ehemalige Mitglieder des Kartells der „Tempelritter“ aufgenommen worden. Anstatt die Bevölkerung zu schützen, habe diese die illegalen Geschäfte der Bande nahtlos weitergeführt. Beide Gruppen würden dabei die Bevölkerung gleichermaßen in Zusammenarbeit terrorisieren. Den „Legitimen Autodefensas“ und auch den wenigen aufrichtigen „Fuerzas Rurales“, wie Hipólito Mora, sei es untersagt, etwas gegen diese Entwicklung zu unternehmen. Gegenüber sinrostro.net beschuldigt Jorge Vazquez den Sicherheitsbeauftragten Castillo, 50% der Gewinne der organisierten Kriminalität für sich zu behalten.

Das Verstörende der gestrigen Ereignisse darüber hinaus, dass sowohl die Bundespolizei und auch die Armee von den Vorfällen wussten, es jedoch ablehnten, Hipólito Mora zu unterstützen.

Weitere Vorkommnisse sprechen dafür, dass die Vorfälle von La Ruana nicht lediglich als Auseinandersetzung zweier rivalisierender Gruppen verstanden werden können, sondern von anderer Stelle orchestriert wurden. So hatten zahlreiche unabhängige Medien, parallel zu den Angriffen auf Hipolito Mora, mit massiven Cyberattacken zu kämpfen. An anderer Stelle des Bundesstaates kam es zu einem Mordversuch an Cemeí Verdía. Dieser ist sowohl Anführer der Gemeindepolizei von Ostula aber auch Generalkoordinator der Autodefensas der Küste von Michoacán. Zahlreiche bei dem Kanal der Grillonaunas eingetroffene Hilferufe konnten aufgrund der unübersichtlichen Lage weder verifiziert noch wiederlegt werden.

Die „Legitimen Autodefensas“ von Michoacán, wie sie sich selbst nennen, stehen seit Monaten im Fokus des mexikanischen Repressionsapparates. So werden deren Anführer Dr. José Manuel Mireles und rund 370 weitere Mitglieder seit ende Juli unter fadenscheinigen Gründen in unterschiedlichen Gefängnissen festgehalten.

Angesichts der nicht enden wollenden Proteste in Mexiko steigt der Druck auf die sozialen Bewegungen. Dies bekommen auch die „Legitimen Autodefensas“ in Michoacán zu spüren. So solidarisieren sich die Selbstverteidigungsgruppen offen mit der Bewegung der Studenten von Ayotzinapa und beziehen klar Stellung gegen das korrupte Regierungssystem von Mexiko.

Einen Hintergrundbericht zur Bewegung der Autodefensas ist in der Septemberausgabe Nr. 378 der ILA erschienen. Sie können diesen Beitrag aber auch hier online finden:

Michoacán (Mexiko): Wenn die Bevölkerung zu den Waffen greift

 

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>