Seit dem Jahr 2000: Europas Grenzregime kostet mehr als 23.000 Menschen das Leben

Foto: en.wikipedia.org

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Neusten Zahlen zufolge sind seit der Jahrtausendwende mehr als 23.000 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa ums Leben gekommen. Doch anstatt Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren, möchte die EU das Zurückdrängen von Flüchtlingsbooten jetzt auch offiziell zur Norm erklären.

Laut Berichten der Neuen Züricher Zeitung sowie Le Monde Diplomatique sind seit dem 1.Januar 2000 mehr als 23.000 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa ums Leben gekommen. Das sind über 1642 Todesopfer pro Jahr.

Beide Medien berufen sich auf Informationen der vor kurzem ins Leben gerufenen journalistischen Datenbank „The Migrant Files“. Eine interaktive Karte zeigt, dass die meisten Todesopfer auf dem Mittelmeer zwischen Nordafrika und Italien, bzw. rund um die Straße von Gibraltar zu verzeichnen sind. Aber auch in den Wüstenregionen von Libyen, Algerien und Ägypten starben in den vergangenen Jahren mehr als 2000 Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Norden.

Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro-Asyl stellt betont in diesem Zusammenhang, wie schwierig es ist, die tatsächliche Zahl der Todesopfer zu bestimmen. So werden Flüchtlinge, die in Nordafrika tot an Land gespült werden, meist anonym bestattet.

Interesse an konkreten Zahlen zeigt die Europäische Union ohnehin nicht. So führt deren Grenzschutzagentur keine eigene Statistik über das Sterben an Europas Außengrenzen. Denn „die Arbeit von Frontex ist der Kampf gegen die illegale Migration, nicht die Seenotrettung. Und diese Menschen sind tot, das sind keine Migranten mehr,“ zitiert Pro-Asyl einen Mitarbeiter. Wie aus der Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei im März 2013 hervorgeht, hat jedoch auch die Bundesregierung offiziell keine Ahnung über das massenhafte Sterben am Rande Europas.

Dabei übersteigen die neusten Zahlen bisherige unabhängige Schätzungen noch einmal deutlich. So ging der Blog „Fortress Europe“ des Journalisten Gabriele Del Grande für die Zeit zwischen 1988 und 2011 von mindesten 17.738 (771 pro Jahr) Todesopfern aus. Del Grandes Zahlen liegen höher als die des UNHCR. Denn dieses schenkt in der seit 2006 bestehenden Statistik den verhungerten und verdursteten Flüchtlingen in Afrikas Wüsten keine Beachtung.

Dass das Sterben an Europas Außengrenzen ein Ende haben wird, ist nicht zu erwarten. Eher im Gegenteil. So kamen am 3. und 11.Oktober 2013 bei zwei Bootsunglücken vor Lampedusa und Malta mehr als 500 Menschen ums Leben. Doch anstatt zu überlegen, wie Bootsflüchtlinge besser vor dem Ertrinken bewahrt werden können, möchte die Europäische Union die umstrittenen sogenannten „Push-Backs“ (engl. Zurückdrängen) zur Norm erklären. Dabei sollen Flüchtlingsboote, welchen sich dem Festland nähern, nicht gerettet werden, sondern stattdessen auf das offene Meer zurückgedrängt werden. Wir gefährlich ein solches Vorgehen ist, zeigen die Ereignisse vor der Küste Griechenlands. Mitte Januar kenterte ein Flüchtlingsboot, weil es von der griechischen Küstenwache mit zu hoher Geschwindigkeit zurück aufs offene Meer geschleppt wurde. 12 Menschen fanden dabei den Tod.

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