Syrische Flüchtlinge: Fast ertrunken und trotzdem abgeschoben

Foto: noborder network

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Deutschland will syrische Überlebende der Katastrophe von Lampedusa nach Malta ins Gefängnis abschieben. Das, obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte auf der Insel die „unmenschliche und erniedrigende Behandlung“ von Flüchtlingen festgestellt hat.

Am 3. und 11. Oktober 2013 kamen bei zwei Bootsunglücken vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa mehrere Hundert Menschen ums Leben. Die Überlebenden wurden dann in Italien bzw. Malta unter menschenunwürdigen Bedingungen eingepfercht. Einigen der auf Malta untergebrachten Menschen gelang es, die Insel zu verlassen. Heute versuchen diese, in anderen europäischen Ländern eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten.

Zwei von ihnen sind der syrische Flüchtling Immad Iddin Kalash und seine Schwester. Diese sind aktuell im Asylbewerberheim Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) untergebracht. Allerdings wollen die deutschen Behörden den schwer traumatisierten Mann, der seine halbe Familie bei dem Unglück verloren hat, unverzüglich nach Malta abschieben (Dublin II). Dies, obwohl die untragbaren Zustände für Flüchtlinge in Malta mehrfach dokumentiert sind.

Abschiebung ins Gefängniss

Länder wie die Niederlande haben bereits damit begonnen, Menschen, die im Oktober 2013 fast ertrunken sind, abzuschieben. Sie alle sind im Gefängnis gelandet. Auch im hier geschilderten Fall droht eine Inhaftierung.

Die Leichname der Angehörigen des syrischen-palästinensichen Flüchtlings befinden sich in Italien. Bis heute ermöglichen es die deutschen Behörden nicht, dass sich die Überlebenden, um eine ordnungsgemäße Bestattung kümmern können.

Besonders tragisch ist diese Situation für Menschen, die aus Syrien hier nach Deutschland gelangen. Mit mehr als 150.000 dokumentierten Toten und mehr als 6 Millionen Flüchtlingen (1/4 der gesamten Bevölkerung) gilt der syrische Bürgerkrieg als apokalyptische Katastrophe. Aus diesem Grund ist es nicht nachvollziehbar, wieso sich der deutsche Staat daran beteiligt, die Leiden dieser Menschen unnötig zu verlängern.

Unmenschliche Bedingungen für Flüchtlinge in Malta

Deutschland rechtfertigt Abschiebungen nach Malta mit bestehenden europäischen Verträgen. Es wird behauptet, in Malta sei eine menschenwürdige Unterbringung und ein faires Asylverfahren gewährleistet.  Dabei hat für Malta selbst der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Juli 2013 die „unmenschliche und erniedrigende Behandlung“ von Flüchtlingen nach Artikel 3 EMRK festgestellt.

Vor ungefähr vier Monaten verhinderte das OVG Sachsen Anhalt aus genau diesen Gründen die Abschiebung eines Somaliers auf den Inselstaat.

Selbst der maltesische Außenminister gibt in einem Interview gegenüber dem Nachrichtensender CNN an, sein Land könne Flüchtlingen keinerlei Perspektive bieten.

Angesichts dieser Perspektive sind die zuständigen Behörden aufgefordert, die Abschiebungsanordnung gegen Immad Iddin Kalash unverzüglich auszusetzen und ihm und seiner Schwester einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland zu ermöglichen.

In diesem Fall wird ausdrücklich um Unterstützung gebeten.

Kontakt und weitere Informationen:
Redaktion: sinrostro.net, 01578-8747899, E-Mail: sw[at]sinrostro.net


 

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