Russland erlässt Kuba Auslandsschulden

Foto: http://government.ru/en/news/489

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Russland erlässt Kuba Schulden im Wert von rund 30 Mrd. US$. Experten werten diesen Schritt als erneute Annäherung zwischen Moskau und Havanna. Die USA hingegen machen keine Anstalten, von ihrer „anachronistischen Blockadepolitik“ abzuweichen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, will Russland Kuba 90% seiner Auslandschulden erlassen. Diese betrugen zuletzt 32 Mrd. US$. Die verbleibenden 3,2 Mrd. US$ soll das karibische Land in einem Zeitraum von 10 Jahren zurückzahlen. Einigungen hinsichtlich einer Umschuldung konnte die Regierung in Havanna in jüngster Vergangenheit bereits mit Japan und China erzielen.

Trotz dieser enormen Erleichterungen stellen die verbleibenden jährlichen Raten von jeweils 320 Millionen US$ weiterhin eine gewisse Belastung dar. So werden die kubanischen Einnahmen aus Exportgeschäften mit lediglich 18 Milliarden Dollar pro Jahr beziffert. Daneben müssen weitere Auslandsschulden im Wert von 5-6 Mrd. Dollar bedient werden.

Dennoch wird erwartet, dass diese Einigung, zusammen mit Kubas Haushaltsdisziplin der letzten Jahre, zu einem zunehmenden Vertrauen ausländischer Kreditgeber und potenzieller Investoren führen wird.

Experten wie W. Alejandro Sanchez vom Council on Hemispheric Affairs (COHA) werten diesen Schritt darüber hinaus als eine erneute Annäherung Russlands an seinen ehemals wichtigsten Verbündeten in der westlichen Hemisphäre. Zu Zeiten des Kalten Krieges waren auf kubanischem Territorium mit der  Signal Intelligence (SIGINT) Einrichtung, bekannt unter dem Namen „Lourdes“, russische Abhöranlagen gegen die USA gerichtet.

Nach dem Zusammenbruch der UDSSR konnte die vormals großzügig gewährte Unterstützung aber nicht mehr aufrechterhalten werden. Den jüngst bekanntgewordenen Schuldenerlass wertet Sanchez jedoch dahingehend, dass Moskau seinen ehemaligen Verbündeten bis heute nicht vergessen hat.

Allerdings dürfte laut Yuri Paniyev auch Russland von diesem Deal profitieren. Demnach erhofft sich Moskau eine verstärkte Zusammenarbeit im Bereich des Handels, der Ausbeute von Erdöl, dem Energiesektor, dem Transport sowie in der Hochtechnologie.

So hat die russische Ölfirma Zarubezhneft seit 2009 40 Millionen Dollar in Kuba investiert. Bis 2025 soll dieser Betrag auf 2,9 Milliarden Dollar anwachsen.  Im Bereich der Energieversorgung wurden bereits 10 Projekte durch die russische Beteiligungsgesellschaft Inter RAO UES realisiert.

Im Jahre 2018 endet die Amtszeit des kubanischen Präsidenten Raul Castro. Experten erwarten, dass dieser seinem Nachfolger das Land in einer guten wirtschaftlichen Verfassung übergeben kann. Die Vereinigten Staaten hingegen können von dieser Entwicklung, wenn überhaupt, nur sehr wenig profitieren.

Tim Ashby (ebenfalls COHA) kritisiert in diesem Zusammenhang die nach wie vor „anachronistischen“ Haltung Washingtons gegenüber dem Inselstaat. So erkennt Ashby trotz des medial viel beachteten Handschlags zwischen Castro und Obama keine Anzeichen dafür, dass die Vereinigten Staaten von ihrer gescheiterten Blockadepolitik abweichen werden.

Zu erwarten ist, dass rivalisierende Mächte wie Russland hingegen, die Leerstellen einer kurzsichtigen Lateinamerikapolitik seitens der USA auch in Zukunft nur zu gerne ausfüllen werden.

2 Gedanken zu „Russland erlässt Kuba Auslandsschulden

    1. admin Artikelautor

      danke für den Hinweis. Da ist mir ein kleiner Fehler unterlaufen. Habe ich im Text korrigiert.

      „Zu Zeiten des Kalten Krieges waren auf kubanischem Territorium mit der Signal Intelligence (SIGINT) Einrichtung, bekannt unter dem Namen “Lourdes”, russische Abhöranlagen gegen die USA gerichtet.“

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