BRICS-Staaten planen eigene Infrastruktur für das Internet

Grafik: Brics-Cable

Grafik: Brics-Cable

Als Konsequenz aus der bekanntgewordenen weltweiten Spionage durch die NSA planen die BRICS-Staaten den Aufbau einer von den USA unabhängigen Telekommunikationsinfrastruktur. Experten sehen in BRICS-Cable ein Projekt von geostrategischer Bedeutung.

Angesichts der totalen Internetüberwachung ihrer Bürger gibt sich die Regierung in Berlin weiterhin betont passiv. So wird zum einen behauptet, es fände keine Spionage seitens der USA statt. Und wenn dies doch der Fall wäre, so können man sich technisch ohnehin nicht erfolgreich dagegen wehren.

In anderen Teilen der Erde vertritt man eine grundsätzlich andere Sichtweise. Besonders groß ist dabei die Empörung in Brasilien. So wurde bekannt, dass die NSA dort massiv Wirtschaftsspionage betreibt.

Eine Reaktion darauf war, dass Brasilien mit einer eigenen Kommunikationsinfrastruktur den USA die Spionagetätigkeiten erschweren möchte.

34000km neue Kabel

Dieser Idee haben sich nun alle BRICS-Staaten angeschlossen. So sollen durch das Projekt BRICS-Cable China, Russland, Indien, Brasilien und Südafrika durch ein unabhängiges Netzwerk leistungsfähiger Glasfaserkabel mit einer Länge von insgesamt 34000km verbunden werden.

Dabei soll das geplante System nicht in sich geschlossen sein. So wird Afrika über das sogenannte West African Cable System (WACS) wie auch via SEACOM-EASSY (East Africa Submarine Cables) verbunden werden. Ein Kabel nach Miami soll auch die Kommunikation mit den USA sicherstellen. Die Verbindung zu den Staaten Süd- und Mittelamerikas wird dann allerdings über Brasilien hergestellt werden.

Projekt mit großem Prestige

Der Anstoß für Brics Cable kommt von privaten Unternehmen. Die jeweiligen Regierungen unterstützen das Projekt jedoch politisch und wirtschaftlich. Die Kosten werden auf rund 1 Mrd. US-Dollar geschätzt.

Das System soll im Idealfall bis zur Fußball WM 2014 in Brasilien, aber bis spätestens Anfang 2015 eine schnellere, günstigere und sicherere Telekommunikation ermöglichen. Daneben hat dieses Projekt auch eine politische Bedeutung. So bezieht sich ein Firmenvideo explizit auf das Ende der alleinigen Dominanz Europas und der Vereinigten Staaten.

In einem Beitrag für das „Centre for Research on Globalization“ geht Jovan Kurbalija so weit, BRICS-Cable mit der Entwicklung der Telekommunikation im 19. Jahrhundert zu vergleichen. So war vor rund 150 Jahren die Infrastruktur für die Kommunikation via Telegraf in den Händen weniger Nationen. Dabei musste selbst Frankreichs Diplomatie über britische Leitungen kommunizieren. Im Falle von Konflikten bedeutete dies einen entscheidenden strategischen Nachteil. Erst durch den Aufbau eigener Leitungen konnte dieses Manko ausgeglichen werden.

Kein 100 prozentiger Schutz vor Spionage

Dass BRICS-Cable jedoch einen hundertprozentigen Schutz vor Spionage bietet, wird bezweiflet. So rechnen Experten damit, dass sich auch die Geheimdienste an die neuen Gegebenheiten anpassen werden.

Dennoch belegt dieses Projekt die zunehmenden Bestrebungen und Möglichkeiten dieser fünf Schwellenländer nach wirtschaftlicher und politischer Eigenständigkeit.