Bis 2025 könnte mehr als ein Viertel aller Europäer von Armut bedroht sein

William Powell Frith - Poverty and Wealth

William Powell Frith – Poverty and Wealth

Die idyllische Vorstellung eines Europas, in welchem der Sozialstaat einen Ausgleich zwischen Wachstum und Entwicklung garantiert ist immer mehr in Gefahr. Stattdessen wird bis ins Jahr 2025 ein massiver Anstieg der Armut vorhergesagt. Ein Gefälle zwischen Arm und Reich, vergleichbar zu Teilen Afrikas oder Lateinamerikas, kann auch in Europa Realität werden.

Oxfam rechnet bei Fortsetzung des derzeitigen Sparkurses mit einem dramatischen Anstieg der Armut in Europa. Demnach wird die Zahl der Armen auf dem Kontinent laut neusten Schätzungen bis ins Jahr 2025 um 15 bis 25 Millionen Menschen anwachsen. Bis zu 146 Millionen Einwohner wären dann dem Risiko von Armut ausgesetzt wären. Dies entspräche mehr als einem Viertel der Gesamtbevölkerung.

Dabei könnte es weitere 25 Jahre dauern, um wieder den durchschnittlichen Lebensstandard des Jahres 2008 zu erreichen. In ihrem neusten Bericht „A Cautionary Tale“ kritisiert Oxfam, dass von den durchgesetzten Sparmaßnahmen lediglich die reichsten 10% der Bevölkerung profitierten, während der Rest der Menschen ärmer wird.

Die aggressivsten Sparprogramme wurden von Spanien, Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Großbritannien aufgelegt. Das wird jedoch dazu führen, dass diese Länder schon bald weltweit mit die höchste soziale Ungleichheit aufweisen werden. Natalia Alonso fügt hinzu, dass die Spanne zwischen Arm und Reich wie im Süd-Sudan oder in Paraguay ausfallen könnte. Auch in Deutschland wird mit einer weiteren Zunahme der Ungleichheit gerechnet, wenn auch in geringerer Intensität.

Oxfam sieht in diesem Zusammenhang eindeutige Parallelen zu den gescheiterten Strukturanpassungsprogrammen in Lateinamerika, Südostasien und Afrika in den 80er und 90er Jahren. Auch dort wurden bei einseitigen Sparprogrammen Ausgaben für Bildung oder Gesundheit massiv gekürzt, grundlegende staatliche Dienstleistungen privatisiert. Neben verheerenden sozialen Auswirkungen hat dies nicht wie erhofft zu einer Belebung der Wirtschaft geführt. Stattdessen durchlebten all diese Länder lange Jahre der Stagnation.

Als Alternative fordert Oxfam Investitionen in Menschen und öffentliche Dienstleistungen. Dabei wird es unabdingbar sein, auch die demokratischen Institutionen in Europa zu stärken sowie ein gerechteres Steuersystem zu etablieren.