Brasilien will mit eigenem Kommunikationssatelliten Spionage der USA eindämmen

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff.  Foto: brasilianische Regierung

Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. Foto: brasilianische Regierung

Die deutsche Regierung macht keinerlei Anstalten, ihre Bürger vor der massenhaften Ausspähung der Geheimdienste zu schützen. Dass dies auch anders geht, zeigt das Beispiel Brasilien. Ein eigener Kommunikationssatellit und direkte Glasfaserkabel zu den Nachbarstaaten sollen dafür sorgen, dass in Zukunft immer weiniger Daten über US-Amerikanische Netze geleitet werden.

In dem Spionageskandal rund um die NSA erreichen uns fast wöchentlich neue Enthüllung. So meldete erst heute der britische Guardian, dass die NSA und ihr britischer Gegenpart GCHQ über weitreichende Fähigkeiten verfügen, von Internetanbietern verschlüsselte Daten auswerten zu können. In diesem Zusammenhang haben die Geheimdienste, im Rahmen einer verdeckten Zusammenarbeit, kommerzielle Anbieter von Verschlüsselungssoftware dazu verpflichtet, in ihre Programme eine Art Hintertür einzubauen. Durch diese werden die Behörden in die Lage versetzt, auch speziell gesicherte Kommunikation abzuhören.

Die Bundesregierung hat bereits vor Wochen die NSA-Affäre für beendet erklärt. Denn die USA hätten zugesagt, keine massenhafte Ausspähung deutscher Bürger zu betreiben. Da Datenströme typischerweise über nationale Grenzen hinweg verlaufen, könne man laut Innenminister Friedrich ohnehin nicht viel unternehmen. Folglich sei jeder Bürger selbst in der Pflicht, durch Verschlüsselung für Datensicherheit zu sorgen.

Andere Länder hingegen reagieren weit beherzter auf das massenhafte Ausspähen ihrer Bürger. So hat Brasilien ein bereits geplantes, lukratives Rüstungsgeschäft mit den Vereinigten Staaten im Wert von 4 Mrd. Dollar auf Eis gelegt.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, will das aufstrebende Schwellenland jetzt auch technische Schritte einleiten, um der USA die Spionage weiter zu erschweren. So hat Brasilien mit Vorbereitungen begonnen, um einen eigenen Kommunikationssatelliten ins All zu schicken. Dieser wird Breitbandinternet bis in die letzten Winkel Brasiliens verfügbar machen. Bisher waren die Regierung und das Militär in ihrer Kommunikation von Satelliten des mexikanischen Multimilliardärs Carlos Slim abhängig. Ab 2016 jedoch soll das eigene digitale Netzwerk in ganz Lateinamerika verfügbar sein.

Als Partner für das zwischen 600-650 Millionen Dollar teure Projekt hat man das französische Konsortium Thales Alenia Space gewählt. Ein konkurrierendes U.S.-Japanisches Unternehmen hingen ging bei diesem Auftrag leer aus.

Darüber hinaus hat Brasilien damit begonnen, direkte Glasfaserkabel zu seinen unmittelbaren Nachbarn zu verlegen. Mit Uruguay ist man bereits verbunden. Als Nächstes ist Argentinien an der Reihe. Damit soll erreicht werden, dass so wenig wie möglich direkte Kommunikation der Regierungen untereinander durch amerikanische Netze fließt.

Trotz dieses selbstbewussten Auftretens gibt man sich in dem südamerikanischen Land nicht der Illusion hundertprozentiger Datensicherheit hin. „Egal wie viel wir unternehmen. Es wird nie genug sein, um die amerikanische Überwachung zu stoppen. Denn die heutige Technologie ist grenzenlos“, bemerkt ein brasilianischer Senator gegenüber Reuters.

Für Caio Bonilha, Präsident des brasilianischen Telekommunikationsunternehmens Telebras, macht das Projekt dennoch Sinn. Denn „je weniger deine Information durch die Welt reist, um so sicherer wird sie sein.“

 

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