Transatlantische Partnerschaft im Kontext der Weltpolitik

Foto: Buonasera

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Der wirtschaftliche Nutzen eines Freihandelsabkommens zwischen den USA und Europa bleibt umstritten. Russische Experten vermuten den Aufstieg Chinas als Triebfeder für die angestrebte transatlantische Partnerschaft.

Im Juli dieses Jahres fand die erste Verhandlungsrunde zwischen der EU und den USA über ein geplantes Freihandelsabkommen statt. In der Öffentlichkeit wurde die inhaltliche Debatte dabei von der politischen Auseinandersetzung über den Umgang mit der bekanntgewordenen NSA-Spionageaffäre überlagert.

Dabei bleibt der wirtschaftliche Nutzen eines solchen Abkommens umstritten. Eine Studie, die im Auftrag der EU erstellt wurde, beziffert die Wachstumseffekte eines solchen Abkommens auf lediglich 0,5%. Ein gemeinsames Gutachten der Bertelsmann Stiftung und dem Ifo-Institut hingegen stellt Wachstumsraten von bis zu 5% in Aussicht.

Allerdings dürfte der Nutzen westlich des Atlantiks um einiges deutlicher zu spüren sein als in Europa.

Russische Experten hingegen sehen in der angestrebten transatlantischen Partnerschaft, welche besonders seit dem Jahre 2007 durch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel beworben wird, weitaus mehr als nur ein ökonomisches Projekt.

Fyodor Lukyanov, Herausgeber von „Russia in Global Politics“ sieht das Anstreben einer solchen Partnerschaft besonders durch die abnehmende globale Einflussmacht der USA begründet.

So war zu Zeiten der Bush Administration noch die Ansicht vorherrschend, das Land könne auch ohne starke Partner seine geopolitischen Interessen durchsetzen. Der aktuell zu beobachtenden Sinneswandel hingegen sei besonders durch den stetigen Aufstieg Chinas begründet. Dabei wirbt das asiatische Land seinerseits um eine südostasiatische Freihandelszone. Das Abbauen aller Handelsbarrieren würde diese Region zu einer der wichtigsten Freihandelszonen der Welt machen. Noch bedrohlicher für die Interessen der USA wäre jedoch die Realisierung der von Peking vorgeschlagen Achse China-Korea-Japan.

Das erfolgreiche Abschließen der Verhandlungen zu einer „Trans Atlantic Trade and Investment Partnership“ hingegen würde einen mächtigen Block entsehen lassen, der in der Lage wäre, seine ökonomischen Regeln weltweit gegenüber Konkurrenten durchzusetzen und den Ambitionen Chinas etwas entgegenzustellen.